Nach meiner anfänglichen Sympathie für Blogs vor ein paar Jahren halte ich sie mittlerweile in den meisten Fällen für wenig sinnvoll und für den Einsatz im Fremdsprachenunterricht nicht geeignet.
Von allerlei allzu privaten Einblicken und Selbstdarstellungen, auf die die Welt vermutlich nicht wirklich gewartet hat aber doch mit erstaunlichem Langmut erträgt, einmal abgesehen, ist es vor allem die formale, visuelle und technische Begrenzheit, die mich abstößt. Blogs zu lesen und zusammenhängende Informationen zu finden und nachzuverfolgen ist eine eher mühsame Angelegenheit.
Zwar vernetzt sich jeder mit jedem über Links aller Art, Blogrolls und ähnliche von jedem Anbieter angebotene Optionen aber letzten Endes kann man sich des Eindrucks eines vielfachen ungerichteten Geplappers nicht erwehren, das in Form einer virtuellen Bleiwüste präsentiert wird und dabei in der immer gleichen grafischen Hülle steckt. Navigieren sowie das gezielte Ansteuern von Texten innerhalb eines Blogs erfordert meist deutlich mehr Geduld als bei anderen Instrumenten wie Wikis, Foren oder ganz ordinären Webseiten mit erprobten Navigationshilfen.
Ich sehe keinen zusätzlichen Nutzen darin, einen öffentlich zugänglichen Blog als Instrument zur Textproduktion im DaF-Unterricht einsetzen. Der Aufwand, der getrieben werden müsste, um den Umgang mit dem Instrument zu klären und zu üben steht vermutlich in keinem besonders günstigen Verhältnis zum Nutzen, nämlich Alltagstexte zu verfassen und gegenseitig zu kommentieren. Außerdem sind die Moderations- und Korrekturmöglichkeiten eher beschränkt. Das aus meiner Sicht wesentliche Problem ist das Kreieren von Schreibanlässen, die dazu führen, das möglichst eine große Zahl an Teilnehmern einer Lerngruppe immer wieder Texte verfasst. Selbst in einem Seminar wie diesem sorgt die Aufgabe „Schreibt einen Blogeintrag“ nicht unbedingt für eine rege schreibende Beteiligung.